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Reifentipps für historische Fahrzeuge, Rennsport

Gummi-Lösung - Service Marktübersicht Oldtimerreifen
(aus MotorClassic, Heft-Nr. nicht bekannt)

Sie sind Verschleißteile und stellen Oldtimerbesitzer oft vor Probleme. Denn neue Reifen für alte Schmuckstücke gibt es nicht beim nächsten Reifenhändler.

Wenn den Reifenfachmann die Poesie übermannt, dann spricht er vom schwarzen Gold, das die Felgen umschließt. Gold ist bekanntlich nicht nur selten, sondern auch teuer, und mit dieser Logik müssen sich die Oldtimerbesitzer abfinden. Reifen für ihre Klassiker werden immer seltener, die Suche schwerer und die Preise folglich teurer.

Ob es um historischen Wulst-, originale Weißwand- oder die schwammigen Diagonalpneus geht - der Reifenhändler an der nächsten Ecke zuckt in der Regel nur die Achseln. Selbst die Radialreifen der ersten Generation werden rar. Abhilfe schaffen spezialisierte Händler sowie einige wenige Hersteller, die immer noch Reifen für Klassiker in ihrem Programm führen.

So hat beispielsweise Fulda zwei Typen mit historischem Profil im Sortiment. Die traditionsreichen Reifenköche hatten in den sechziger Jahren als Erstausstatter Pneus für den Mercedes 600 gefertigt. Heute ist er im Format 9.00 H 15 6PR wieder für das Mercedes-Flaggschiff lieferbar. Außerdem bietet Fulda den Typ Y 2000 an, der früher ebenfalls als Erstausstattung zum Einsatz kam und mittlerweile für aktuelle Ansprüche überarbeitet wurde. Der schwarze Gummi ist in den Größen 185/70 R 15 V und 215/60 ZR 15 lieferbar. Als dritten Kandidaten offeriert Fulda schließlich den Rasant 411 in den Dimensionen 175 R 14 und 185 R 14 für Mercedes Pagode und BMW CS Coupe.

Auch Pneumant legte ein historisches Format wieder neu auf. In Zusammenarbeit mit Porsche entwickelten die Reifenbauer mit Sitz in Ostdeutschland einen Gummi der Größe 165 R 15, der bei den Porsche-Modellen 356, 904, 912 und 914 zum Einsatz kommen darf.

Zudem fühlt sich der französische Hersteller Michelin den klassischen Reifen verpflichtet. Das über 100 Jahre alte Traditionsunternehmen, das 1891 den ersten Luft-Gummi-Reifen auf den Markt gebracht hat, liefert Wulst-, zahlreiche Diagonal sowie Radialreifen der 70er und 80er-Serien. Zum Teil sind die Reifen als Weißwandreifen verfügbar. Außerdem vertreibt Michelin den bei Vorkriegs-Rennwagen gebräuchlichen Englebert-Pneu.

Auf der Suche nach dem richtigen Gummi für den Oldie wird man auch bei spezialisierten Händlern fündig. So hält etwa die Münchner Oldtimer-Reifen GmbH (MOR) auf diesem Gebiet eine breite Angebotspalette parat. "Wir können jeden Reifen liefern", erklärt Geschäftsführer Valentin Schaal.

Dennoch können die Bayern die grundsätzliche Problematik nicht verhehlen: "Der Markt wird immer enger, nachdem sich einige Hersteller aus diesem Geschäft zurückgezogen haben", so Schaal. Für die Unternehmen erscheint es wirtschaftlicher, moderne Pneus in großer Stückzahl zu fertigen, als für einige Oldtimerbesitzer viele besondere Reitengrößen parat zu haben.

MOR greift daher regelmäßig zur Eigeninitiative und läßt bestimmte Größen, teilweise als Sammelgrößen, nachfertigen. "Neue Reifen werden bei uns grundsätzlich durch den TÜV überprüft, bevor sie auf den Markt kommen", so Schaal.

Unter den Herstellern sind auch BF Goodrich, Firestone und Dunlop für Oldtimer aktiv, wobei sich Dunlop besonders auf Rennreifen spezialisiert hat (siehe Kasten).

Bei der Wahl der Reifen müssen die Besitzer von Oldtimern allerdings Kompromisse eingehen. je nach Fahrzeugtyp sind entweder nur noch die klassischen Diagonalpneus oder modernere Radialreifen lieferbar. Für manche Dimensionen sind auch Weißwandreifen verfügbar, die jedoch zum Teil mehr als das Doppelte der schwarzen Reifen kosten.

Auf der Suche nach der optimalen Gummi-Lösung hilft unter Umständen der Blick über den Ärmelkanal. In Großbritannien finden sich mehrere Reifenhändler mit einem großen Angebot. Doch sollte man bei der Bestellung Sorgfalt walten lassen, denn nicht immer entsprechen die dort angebotenen Reifen den Geschwindigkeitsbereichen, die in den Fahrzeugpapieren vorgeschrieben sind.
Dies kann nicht nur Probleme beim TÜV bereiten, sondern sorgt womöglich für Mißmut. Denn wer viel Geld für Gold ausgibt, will anschließend auch die Gewißheit haben, daß es echt ist.

Ulrich Bethscheider-Kieser

Fahrzeug Reifengröße Lieferanten 1)
Alfa Giulia 155 SR 15 Pirelli, Dunlop
Austin Healey 165 HR 15 Avon, Michelin
BMW 507 185 R 16V Avon, Michelin
BMW Isetta 4.80-102) BF Goodrich
BMW CS 175 R 14 T Michelin, Dunlop, Fulda
Citroen 11 CV 165 R 400 S Michelin
Citroen DS 185 HR 15 Michelin
Ferrari Dino 205/70 VR 14 Michelin
Fiat Topolino 125 SR 15 Michelin
Ford Mustang 185 R 14 T Michelin, Firestone
GlasV8 175 HR 14 Dunlop, Michelin
Jaguar XK 120 6.00 H 16 2) Dunlop
Jaguar E 185 VR 15 Dunlop
Mercedes 170 6.40-151) Firestone,
Mercedes 190 SL 6.40 SR 13 Michelin
Mercedes 280 SL 185 R 14 H Michelin, Bridgestone, Fulda
MG B 165 SR 14 Avon, Dunlop
Peugeofft 155 x 4001) Michelin
Porsche 356 A 165 HR 15 Michelin, Avon, Pneumant
Porsche 911 S 185/70 VIR 15 Michelin, Yokohama
Renault 4 CV 135 R 400 S Michelin
Sunbeam Alpine 5.60S131) Goodyear, BF Goodrich
165 SR 15 Avon, Michelin
VW Käfer 5.60-151) Firestone, BF Goodrich
Volvo P 444 5.00-162) Michelin, Firestone, Dunlop

1) Adressen siehe Kasten rechts, Angaben ohne Gewähr
2) Diagonalreifen

Motorsport
Die Oldtimerfahrer mit dem größten Reifenverschleiß tummeln sich dort, wo Geschwindigkeit gefragt ist. Im historischen Motorsport kommt fast niemand am Reifenangebot von Dunlop vorbei, denn der in Hessen ansässige Hersteller besitzt als einziges Unternehmen die Zulassung der Sportbehörden. Entsprechend groß ist das Angebot an profillosen Slicks sowie speziellen Regenreifen. Schwerpunkt des Sortiments sind Reifen für Klassiker der fünfziger und sechziger Jahre. Das Angebot der Vintage-Reifen reicht vom kleinen Zehnzöller bis 19 Zoll. Für Vorkriegsfahrzeuge hat Michelin den alten Englebert-Reifen wieder auflegen lassen. Die Nachfertigung besitzt eine Freigabe bis 250 km/h. Allerdings schlägt der Englebert by Michelin mit einem Stückpreis von rund 500 Euro zu Buche.

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